Führung existenziell verstehen – Dekonstruierende und rekonstruierende Überlegungen zu ›Existential Leadership‹

Der hier vorgelegte Kommentar ist der erste in einer geplanten Reihe zu Buchveröffentlichungen rund um das Thema ›Existenzielle Führung‹. Dieser bedient sich unter anderem der Methode der Dekonstruktion. Diese bezeichnet als sprachliche Verschränkung von Destruktion und Konstruktion ein Vorgehen, das dazu dient, als selbstverständlich hingenommene Wirklichkeiten, Gewohnheiten, Eindeutigkeiten bzw. Wahrheiten zu erschüttern bzw. aufzuweichen. Aus einem solchen Prozess des Infragestellens von Erkenntnis entsteht im besten Fall neue Erkenntnis. Und auch diese muss sich selbstverständlich Einwänden stellen und sich ihrerseits die Erschütterung dekonstruierender Fragen gefallen lassen. Dazu lädt dieser Beitrag ein.

Die Überlegungen werden entwickelt in einer kritischen Auseinandersetzung mit dem folgenden Buch: »Existential Leadership zum Erfolg: Philosophie und Praxis der Transformation«, von Philipp Johner, Dorothee Bürgi und Alfried Längle, [Haufe (2018, 203 Seiten)].

Im vorgenannten Sinne geht es also zunächst darum, das von den Autoren errichtete Gedankengebäude auf seine ›Belastbarkeit‹ hin zu überprüfen, indem sozusagen eine innere Konsistenzprüfung vorgenommen wird. Dies bedeutet vor allem die Auseinandersetzung mit der Konstruktion, das heißt mit der Art und Weise, ob und inwieweit zentrale Thesen des Werks sich ineinanderfügen, sowie die Verprobung auf deren konzeptionelle Standfestigkeit hin. Und zwar in Hinsicht auf die Verankerung in den darunterliegenden expliziten oder impliziten Prämissen. Aus den Elementen der Dekonstruktion und unter Rückgriff auf einschlägige existenzielle Konzepte werden sodann eigene konstruktive Überlegungen zu einer rekonstruierenden Erfassung und Einfassung des Phänomens ›Existential Leadership‹ entwickelt und zur Diskussion gestellt. Lesen »

Multiple Diversität – Existenzielle Herausforderungen für Boards und Top‐Management‐Teams

In der aktuellen Debatte wird die Heterogenität von Spitzengremien (Top‐​Management‐​Teams, Aufsichtsräten, Supervisory Boards, Boards of Directors) aus ganz unterschiedlichen Gründen als erstrebenswert angesehen. – Der Artikel nimmt aus existenzieller Perspektive Bezug auf eine aktuelle profunde Kritik von Ely & Thomas, die vor bereits 25 Jahren den Paradigmenwechsel für ›Diversity‹ eingeläutet haben. – Hieraus ergeben sich Fragestellungen, zu denen dieser Beitrag von Georg Martensen Antworten anbieten möchte: »Auf welche Weise lassen sich multiple Veränderungen auf Top‐​Management‐​Ebene in ihren Auswirkungen auf Organisationen existentiell verstehen? Welchen Verständnisrahmen bietet existenzielles Denken dafür an, der zugleich handlungsleitend ist. Welchen Beitrag muss bzw. kann das Top‐​Management‐​Team, das Board hierin übernehmen? Und was braucht es dazu an Verständigung über die Gemeinsamkeit des Menschseins innerhalb von Organisationen und gegebenenfalls der Entwicklung einer inneren Haltung? – Und auf welche Weise ist dieser Weg zu gehen?« Lesen »

Remote Control – Bemerkungen zu Organisation und Führung in der Covid‐19‐Krise

Viele Organisationen hängen – ohne das zu reflektieren – in einem räumlich definierten Organisationsmodell des tayloristischen Shopfloor‐​Managments fest. Führung auf Distanz wird daher von den Beteiligten als Zumutung erlebt. Bei manchen keimt gar nostalgische Hinwendung zu paternalistischer Führung auf. Die Covid‐​19‐​Pandemie erzwingt aktuell eine vollkommen andere Praxis und so auch ein Umdenken von Führung und Zusammenarbeit. An die Stelle von ›Command and Control‹ tritt plötzlich Verbundenheit. Und die ist wesentlich nicht an räumliche Nähe gebunden, sondern vielmehr an Vertrauen in eine gemeinsame Zukunft. Lesen »

Befunde zu Organisation, Führung und ihrer Beratung im Wandel

Georg Martensen erörtert in seinen »Befunden« grundlegende Entwicklungen zu aktuellen Führungsrealitäten und nimmt den stattfindenden Wandel aus vier Perspektiven unter die Lupe, indem er die Mechanik, die Dynamik, die Ideologie und die Tragik des Wandels beschreibt – nicht ohne einen existenziellen wie Hoffnung machenden Ausblick auf das Thema zu bieten. Lesen »

Don Quijote und Sancho Pansa: Miguel de Cervantes zeigt uns Wesentliches über’s Menschsein und Leadership‐Tugenden

Was bewegt uns, in unserem Blog auf die Signatur von Don Quijote und Sancho Pansa zurückzugreifen? Was macht die Faszination dieses seltsamen Gespanns aus, das seit dem Erscheinen von Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha bis heute die Menschen in ihren Bann zieht? Und was hat Quijote mit dem Thema Führung zu tun? René Märtin und Georg Martensen geben in einem redaktionellen Beitrag darauf Antwort. Lesen »

Existenzielle Führung

Unter dem Stichwort »Existenzielle Führung« greifen wir in unserer Arbeit auf wesentliche Grundlagen existenziellen Denkens zurück, vor allem auf die Daseinsanalyse und die Existenzanalyse. Die praktische Anwendung hat sich seit über einem halben Jahrhundert bereits in Psychotherapie, Beratung, Pädagogik, Seelsorge, Sozialer Arbeit, Coaching und Management und in anderen Arbeitsfeldern bewährt. Die hier beschriebenen Dimensionen und Lesen »

Existenzielle Dimensionen

Ludwig Binswanger (18811966) beschreibt drei Dimensionen, auf die sich menschliches Dasein bezieht: Umwelt, Mitwelt und Eigenwelt. Emmy van Deurzen (* 1951) ergänzt diese um die vierte Dimension Überwelt, weil hier sich die transzendente Seite des Daseins zeigt. So haben wir mit den Existenziellen Dimensionen ein wichtiges Modell, um den Menschen in seinem Dasein besser verstehen Lesen »